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Wie ich mir schon vor fast 10 Jahren gedacht habe, hat sich vor drei Tagen die Frau bei mir gemeldet, die damals unsere Abifeier organisiert hat. Fürs Zehnjährige werde sogar ich eingeladen. Endlich konnte ich es loswerden:
Nein, ich bin nicht drogenabhängig in der Gosse verendet und auch nicht in den antifaschistischen Untergrund abgetaucht. Mein Kind ist kein Unfall mit einem Unbekannten, sondern nach Studium und dem Erwerb (naja...) angemessener Berufserfahrung geplant entstanden. Ich habe alle relevanten Meilensteine, die man gemeinhin erwartet, bereits unter 30 erreicht !!!!!!!! Ellabääääääääätsch, Du Spießerin !!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Hättet ihr nich' gedacht, was !!!!
Natürlich habe ich das anders formuliert; freundlich, ja geradezu freundschaftlich: Wie ich sehe, arbeitest Du in ***. Im Rhein-Maingebiet war ich auch eine ganze Weile unterwegs. Erst zum Studium am FB *** 4 Jahre lang in Darmstadt, danach ein halbes Jahr in *** und nach einem Zwischenstop in Nürnberg noch mal zwei Jahre in Darmstadt beim Fraunhofer. Das Studium war für mich ein Glücksgriff.. Nachdem ich mich vom ersten Schreck ("Oh Gott, ich hab da Computertechnik!") erholt hatte, habe ich mich das fehlende Wissen ziemlich schnell aufgeholt und konnte so am IT-Hype hautnah teilhaben.
Nach 4 Jahren im Beruf mit allen Höhen und Tiefen habe ich den Fernbeziehungsphasen in meiner inzwischen achtjährigen Beziehung ein Ende gesetzt und bin nun Mutter eines drolligen 11/2 jährigen Wurms. Eigentlich alles Wichtige schon erledigt, was ;-)) Mal sehen, was mir bis zur Rente noch so einfällt. Man muss ja flexibel sein. Ich konnte mich gerade noch zusammenreißen und meine wohlklingende Arbeitgeberliste weglassen.
Und was kriege ich als Antwort: Ich habe gerade (!!!!) angefangen zu promovieren. Und Du bist so richtig spießig Mutter, verheiratet und so....?
Entweder sprach da der Neid, oder es ist mal wieder ein Beleg dafür, daß man es den Leuten wirklich nieeeee recht machen kann. Genauer betrachtet ist es vielleicht die Auswirkung einer Phasenverschiebung. So mancher Mitschüler, der sich damals als etwas Besseres vorkam, hat mit den Verrücktheiten, die ich so zwischen 17 und 23 abgezogen habe, eben erst mit 25 angefangen. So wie damals, etwa 1990, als ich meinen ersten Tweedblazer mit Ellenbogenschonern bereits eine Saison vor dem beliebtesten Mädchen anhatte. Bad idea!!! Zum Glück kann ich jetzt, als sturmerprobte Mutter, über blöden Bemerkungen stehen. Habe ich erwähnt daß mir gerade zwei WEIßHEITSzähne wachsen und ich mich auch so fühle? ... ... .... Nein, nicht gepeinigt, WEISE!
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